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Der erste Brief an die Korinther

Der ganze Mensch: zum Glauben berufen, zur Liebe verpflichtet

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Korinth ist eine griechische Hafenstadt, in der der Apostel Paulus um ca. 51 n. Chr. eine christliche Gemeinde gründete (vgl. Apg 18). Etwa vier Jahre später schreibt er diesen Brief, um vor allem Fragen zu klären, die ihn aus dieser Gemeinde erreicht hatten. Denn als Teil einer von vielen Völkern bewohnten Hafenstadt wurde die Gemeinde durch viele Einflüsse geprägt. Themen sind Spaltungen und Streitigkeiten in der Gemeinde, Fragen der Lebensführung, der gottesdienstlichen Versammlung, des Herrenmahls und nach den Verstorbenen. Die Einheitsübersetzung spricht häufig von Unzucht. Das griechische Wort »porneia« deutet an, um welche Probleme der Gemeinde es sich hier unter anderem handelte.

Sehr differenziert sind die generellen Aussagen über Mann und Frau. Häufig werden sie gleichberechtigt dargestellt: Was für den Mann gilt, gilt in gleicher Weise für die Frau – und umgekehrt. Paulus vertritt aber auch Meinungen, die man heute als Bevormundung oder gar als frauenfeindlich bezeichnen würde. Seine Ansichten zu Ehe und Sexualität, die klare Bevorzugung eines ehelosen Lebens sind darum schwer zu deuten, ohne den besonderen Blickwinkel des Paulus zu kennen: Paulus war noch erfüllt von der Erwartung, dass Jesus sehr bald, schon zu seinen Lebzeiten, wiederkehren wird. Darum reiste er selbst rastlos umher, um Menschen für das Evangelium zu gewinnen. Ehe oder Familie passen in einen solchen Lebensentwurf nicht.

Paulus knüpft nicht nur an die Schrift und das Gesetz, d. h. das AT an, sondern entwickelt seine Theologie auch konsequent von Christus Jesus her, der am Kreuz gestorben ist und der auferweckt wurde von den Toten. Für das Leben in den Gemeinden ist dieser Glaube maßgebend. Und um in ihm leben zu können, ist ihnen der Heilige Geist an die Seite gestellt, der ihnen seine Gaben schenkt, wie etwa in Zungen zu reden. Im Mittelpunkt der Bemühungen von Paulus steht auch hier die Verkündigung der frohen Botschaft, des Evangeliums, damit die Menschen Gott erkennen.

Der Brief greift mehrmals eine bekannte philosophische Sicht auf, nach der die Menschen aus Leib (griech. soma, nicht zu verwechseln mit Fleisch, griech. sarx), Seele (griech. psyche) und Geist (griech. pneuma) bestehen. Die Seele wird als Grundlage und Trägerin des Lebens betrachtet und der Geist als Grundlage des Glaubens und des Gotteskontakts. Der Leib wird als Existenzform des Menschen betrachtet, durch die er gestaltend auf seine Umwelt einwirken kann. Erst durch diese drei zusammen wird der Mensch in seiner Ganzheit erkennbar.

Auch dieser Brief des Paulus ist voller Schätze, und spätestens beim Hohelied der Liebe wird der Leser durch einen wunderschönen, inspirierenden Text belohnt.

[Martin Wolters]

Gute Worte

Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe. 1. Kor 13,13

Denn vor allem habe ich euch überliefert, was auch ich empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben, gemäß der Schrift, und ist begraben worden. Er ist am dritten Tag auferweckt worden, gemäß der Schrift, und erschien dem Kephas, dann den Zwölf. 1. Kor 15,3–5

Lesetipp

1 Kor 7,1-7 (Die christliche Ehe); 1 Kor 12,1-31 (Der eine Geist und die vielen Gaben; Der eine Leib und die vielen Glieder); 1 Kor 12,31-13,13 (Das Hohelied der Liebe)


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